Geschichte

Die Schweiz. Metallwerke Dornach wurden 1895  gegründet, um die florierende Uhrenindustrie im benachbarten Jura mit Gehäusen und anderen Metallerzeugnissen zu beliefern. In den ersten Jahren schrammte die Firma mehrmals am Konkurs vorbei. Erst mit dem Kauf einer Stangenpresse – in Europa eine revolutionäre Neuerung – konnte sich die Firma stabilisieren und eine bedeutende Marktposition als Lieferantin von Halbfabrikaten aus Messing, Kupfer und anderen Buntmetallen erarbeiten. Während beider Weltkriege des 20. Jh. produzierten die Metallwerke millionenfach Munitionsbestandteile für die kriegsführenden Parteien und erzeilten dadurch astronomische Gewinne.
Heute arbeiten noch rund 60 Arbeiter in Dornach. Im Jahre 2026 werden die Werktore geschlossen. Viele Gebäude weichen Wohnungen, Gewerbe- und Büroräumen.

Geschichten aus der Kantine

Pierre Pulfer, Ferette

«Dank mir tragen jetz alle Sicherheitsschuhe. Ich habe immer gesagt, wir brauchen Sicherheitsschuhe, mit Stahlkappen. Was wir da Tag für Tag herumfugen ist hunderte von Kilos schwer. Allein so ein Kupfer-Rohling ist über eine halbe Tonne. 

Erwischt hat es den Kappes Jean. Ein gewalztes Blech, drei Meter breit, fünfzehn Meter lang kippte aus der Führung, ihm direkt auf den linken Fuss. Es zerschnitt den Schuh wie Butter und seine Zehen auch. Ich höre ihn noch heute brüllen.

Da bin ich ins Büro und habe denen den Schuh von Kappes unter die Nase gehalten und gesagt, Stahlkappen oder Skandal und Streik!»

Dann ging es dann plötzlich. Aber es musste immer zuerst etwas passieren, bis sie endlich den Hintern aus ihren Bürostühlen bewegten!»

Henriette Ueberschlag, Folgensbourg

«„Maitle,“ hat mir mein Vater immer gesagt, „gang in d‘Schwiiz gho schaffe. Dött isch‘s sicher und dr Franc hart!“

Als wieder einmal die Herren der Metallwerke Dornach zu Choucroute, Saussicon und Hamme in den grossen Saal im Aigle geladen hatten, um Arbeiter für ihre Fabrik zu rekrutieren, hat mich mein Vater einfach eingeschrieben. Zwei Wochen später fuhr ich mit lauter Männern im Kunegel-Bus nach Dornach. Ich wusste vorher nicht einmal wo das war.

In den Metallwerken musste ich Zündhütchen in Patronenhülsen einsetzen. Eine Halle nur mit Frauen. Wir haben die feineren Finger für diese Arbeit. Wir hatten es immer lustig, teilten Freud und Leid und weinten, wenn uns eine verliess, weil sie heiratete. Irgendwann haben sie gemerkt, dass ich nicht die Dümmste bin und mich zur Sekretärin umgeschult. Manchmal fehlt mir aber das Geschnatter der hundert Frauen aus der Fabrikationshalle.»

Georges Engel, Knœringe

«Der Waggon musste sauber auf der Drehscheibe stehen, vorschriftsgemäss gesichert sein und keiner durfte auf der Scheibe stehen! Da nahm ich es ganz genau, habe auch mal einen zusammengeschissen, wenn er die Vorschriften nicht befolgte. Schliesslich hätte ich die Verantwortung getragen, wenn etwas passiert wäre.

Passiert ist zum Glück nie etwas während den 45 Jahren als Rangierchef. Vom Rangierturm aus hatte man eine wunderbare Aussicht über das ganze Gelände und wusste immer genau, wo was produziert wurde. Sogar vom Büro fragten sie manchmal, wo was jetzt genau ist. Dann hiesse es: „Der Georges, der hat die Übersicht!“

Jetzt ist es vorbei und Camion herumdirigieren würde auch keinen Spass mehr machen.»

Serge Poulain, Hundsbach-le-bas

«Am 8. August 1987 hatte ich mein 30-jähriges Betriebsjubiläum. Wir haben zünftig gefeiert, hier in der

Kantine. Sie können sich kaum vorstellen, wieviel Gewürztraminer, Münsterkäse und Fois Gras über die Tresen gereicht wurden. Ich muss wohl auf allen Vieren zum Kunegel-Bus gekrochen sein, der uns nach Hause fuhr.

Am anderen Tag haben sie mich für die Spätschicht aus dem Bett geholt. Ein Bolzen an einem Maschinenteil war gebrochen. Mon dieu, ich konnte kaum den Hammer halten, so wackelig war ich auf den Beinen. Es hat eine gute Weile gedauert, bis das Miststück endlich draussen war und der neue eingesetzt war. Noch vor Mitternacht konnte die 5‘000-Tonnen-Stangenpresse wieder in Betrieb genommen werden. Wieder zu Hause gab es dann noch einen Schluck Cognac und dann konnte ich endlich meinen Jubiläumsrausch ausschlafen.»